Babys wollen lernen. Schon die Allerkleinsten nehmen die ganze Zeit über auf, was um sie herum geschieht. Spätestens wenn sie greifen können und ein bisschen mobiler werden, brauchen sie gefahrlose Gegenstände zum Anschauen, Betasten und Schmecken – dafür wurde das Spielzeug erfunden. Im Dschungel an Möglichkeiten ist es manchmal schwierig zu unterscheiden: Was braucht mein Kind? Was wurde aus unbedenklichem Material hergestellt? Welche Anschaffung ist sinnvoll? In diesem Beitrag geht es um nachhaltige Spielzeuge und Beschäftigungsideen für Kinder unter einem Jahr.

[unbezahlte Werbung aus Überzeugung] Dieser Beitrag beruht auf unseren Erfahrungen. Das aufgeführte Spielzeug ist entweder genau das, womit unser Kind selbst gespielt hat, oder eine nachhaltigere Variante davon – dann haben wir unsere Version gebraucht gekauft oder geschenkt bekommen und ich konnte bei der Recherche eine grünere Marke finden, die ich tatsächlich guten Gewissens empfehlen kann. 

Was ist nachhaltiges Spielzeug?

 

Mein Sohn ist ein sehr waches Kind, das immer neuen Input sucht. Das war schon als Baby so. Wie oft habe ich mir den Kopf zerbrochen und gegoogelt, was ich ihm noch anbieten kann, um ihn zu beschäftigen. Am besten sind natürlich Dinge, die man ohnehin zu Hause hat: Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern kann auch sofort umgesetzt werden – und falls das Kind sich nicht dafür begeistert, ist weder viel Zeit noch Geld darauf verschwendet worden. Ein paar Anschaffungen lohnen sich in meinen Augen aber doch, und gerade zu Anlässe wie Weihnachten, Ostern oder Geburtstag möchte man ja gerne etwas schenken. 

Unser Spielzeug soll jedoch nachhaltig sein. In meinen Augen ist es das, wenn es folgende Kriterien erfüllt:

# Es ist lange interessant.

Jedes Kind ist anders, daher weiß man natürlich nie genau, welche Idee das Kind fesselt. Dennoch kann man darauf achten, dass das Spielzeug vielfältige Nutzungsmöglichkeiten hat. Ein Set unterschiedlich großer Becher etwa ist für unser Kind schon seit vielen Monaten spannend: Man kann sie stapeln, befüllen, kreiseln lassen, Geräusche damit machen, im Sand oder im Wasser spielen. Je nach Entwicklungsstand des Kindes sind andere Tätigkeiten möglich. Sein Xylophon dagegen war nur ein paar Tage lang interessant – dann hatten sich die Spielvarianten erschöpft.

Übrigens: Gerade aus diesem Grund haben wir Spielzeug oft schon lange vor der offiziellen Altersempfehlung gekauft. Auch ein kleineres Kind kann in der Regel schon viel damit anfangen, auch wenn es den Gegenstand eventuell noch nicht nutzt wie vorgesehen; so verpasst man aber nicht das richtige Zeitfenster, in dem das Interesse voll da ist. Das ist schließlich bei jedem Kind anders.

# Es ist aus einem nachhaltigen Material.

Oder auch: Es ist nicht aus Plastik. Es gibt Ausnahmen für diese Regel: Legosteine z.B. können über so viele Jahre spannend sein, da gibt es einfach keine gute Alternative. Fast alles andere gibt es jedoch auch aus Holz, Papier, Metall oder Stoff. Am liebsten wäre es mir, wenn ich all diese Dinge aus zertifiziert nachhaltiger Produktion kaufen könnte – denn wie die die Stiftung Warentest immer wieder bestätigt, befinden sich regelmäßig Schadstoffe und Sicherheitsmängel an Spielzeugen. Auch an Holzspielzeug kann sich gesundheitsgefährdende Farbe oder Lack befinden.

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Leider ist das oft nicht ersichtlich. Daher weichen wir so oft es geht auf folgendes Kriterium aus:

# Es ist gebraucht …

Wir haben das Glück, ganz in der Nähe eines Second-Hand-Ladens zu wohnen; alternativ finden aber auch regelmäßig Kleiderbasare statt, bei denen ebenfalls Spielzeug angeboten wird. Und auf vinted (früher: Mamikreisel.de) finden sich ebenfalls viele gute Ideen.

Gebrauchtes Spielzeug ist perfekt: Der ökologische Fußabdruck sinkt rapide, weil ein Gegenstand nicht erneut produziert werden muss. Mögliche Schadstoffreste sind mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits herausgewaschen. Du unterstützt beim Kauf den lokalen Einzelhandel oder andere Eltern. Und dein eigener Geldbeutel dankt es dir auch 😉

# … oder ökologisch und sozialverträglich produziert

Kommt gebraucht nicht in Frage, kann man zum Glück auf nachhaltig produzierte Spielzeuge ausweichen. Holz aus zertifiziert ökologischer Forstwirtschaft, Herstellung in Deutschland oder Europa, GOTS-zertifizierte Stoffe – das gibt es inzwischen auch für die Allerkleinsten.

Leider finden man diese Hinweise nicht immer am Produkt. Daher kommen wir nun zu den ganz konkreten Spielzeug- und Beschäftigungsempfehlungen:

Alter: 0-3 Monate 

Für Babys bis zu 3 Monaten braucht es wirklich nicht viel. Die Welt an sich ist spannend genug, und der Blickkontakt und die Aufmerksamkeit der Bezugspersonen sind ohnehin am wichtigsten.

Noch ist jeder Gegenstand neu. Ganz besonders toll sind Dinge, die Geräusche machen: Dazu gehören zum Beispiel Rasseln und Knistertücher. Da Babys in diesem Alter noch nicht gut sehen können, sind starke Kontraste interessanter. 

In den ersten Wochen greifen Babys noch aus Reflex zu; nach rund zwei, drei Monaten jedoch wird das Zupacken gezielt geübt, daher eignen sich natürlich Greifringe in verschiedenen Farben und Formen. 

Unser Sohn mochte auch sehr seinen (unten aufgeführten) Spielbogen. Als er noch sehr klein war, fand er die Biene besonders toll und hat auch früh versucht, danach zu greifen. Der Bogen blieb das ganze erste Jahr interessant: Anfangs gab es viel zu schauen, dann zu greifen und zu bewegen (die Figuren lassen sich ein Stück weit hin und her schieben). Schließlich hat er sich daran hochgezogen und, auf den Rand gestützt, tatsächlich die ersten Schritte gemacht. (Ein richtiger Lauflernwagen ist der Spielbogen meines Erachtens nicht, aber für die ersten paar Versuche gut geeignet).

Alter: 4-6 Monate

Mit drei, vier Monaten fand unser Sohn Spiegel sehr faszinierend. Anfangs wollte er einfach nur lange reinschauen, dann haben wir ihn mal über unsere linke, mal über die rechte Schulter reinschauen lassen, oder ich habe mich, mit ihm auf dem Schoß, in einen Drehstuhl gesetzt und wir haben uns langsam mal links und mal rechts rum gedreht, bis er sich wieder gesehen hat. 

Wie es ja auch in der Montessori-Pädagogik üblich ist, lag und liegt noch immer ein großer Spiegel in seinem Zimmer, in dem er sich und seine Bewegungen oft beobachtet hat. Wir haben unseren von ebay-Kleinzeigen – er ist schmal und lang und liegt quer an der Wand.

In diesem Alter begann er auch, Kniereiter ganz toll zu finden. Hoppe, hoppe, Reiter, …. So manches kommt einem bekannt vor, aber über die ersten Zeilen schafft man es ohne Gedächtnisstütze meist nicht heraus.
Wir fanden das kleine Unkaputtbar-Heft Reime für ganz Kleine* dazu sehr praktisch. Da es sehr klein und leicht ist, kann man es zum einen überall hin mitnehmen, zum anderen kann das Kind das Heft relativ schnell selbst holen und damit zum Spielen anregen.

Generell hat unser Sohn in diesem Alter schon gerne Stoffbücher* angeschaut. Besonders faszinierend sind jene, bei denen noch weitere Sinne angesprochen werden: Auf einer Seite ist ein kleiner Spiegel, die nächste Seite raschelt, die dritte hat vielleicht ein Loch. Sind Tiere abgebildet, ist das besonders toll, weil Mama und Papa dann so lustige (Tier-)Geräusche nachmachen können.

 

Alter: 7-9 Monate

In diesem Alter werden die Kinder immer mobiler: Unser Sohn hat mit genau 8 Monaten Sitzen gelernt und hatte von nun an die Hände frei zum Spielen. Viele Kinder lernen das Robben oder Krabbeln und können sich interessante Gegenstände selbst holen. Die bisherigen Spielsachen sind oft schon bekannt und die Kinder haben einen großen Entdeckerdrang nach neuem Input.

In dieser Zeit – mit etwa acht, neun Monaten – entwickelt sich auch die Objektpermanenz. Das Kind kann sich nun also auch Dinge merken und weiß, dass ein Ball nicht weg ist, nur weil er unter den Tisch gerollt ist. Daher wird es nun spannend, kleine Gegenstände vor den Augen des Kindes zu “verstecken”. Unser Sohn fand es ganz toll, wenn wir uns ein Tuch über den Kopf gezogen haben und er es wegziehen konnte, um uns “wiederzufinden”. 

Greifen klappt meist schon so gut, dass die Kinder anfangen, den Scherengriff zu üben: Sie können kleine Gegenstände mit nur zwei Fingern aufnehmen und festhalten. Das kann man (unter Aufsicht!) z.B. mit Knöpfen oder Murmeln üben, aber auch mit ungekochten Nudeln oder Linsen.

Wir haben dazu auch Washi-Tape auf einen Tisch geklebt und ein Ende ein bisschen abstehen lassen – das konnte er dann greifen und hat mit viel Vergnügen das ganze Band abgezogen (das ich dann wieder hinkleben konnte).

Unser Sohn hatte auch viel Freude an seinen Autos: Hin und herschieben oder mit einer Hand festhalten und mit zwei Fingern die Räder drehen – das fand er faszinierend. 

Sehr beliebt waren auch Zauberwürfel, die auf jeder Seite anders aussehen und verschiedene Oberflächen zum Halten und Reinbeißen haben. Motorikschleifen und Stapelpyramiden wurden zwar noch längst nicht so genutzt wie gedacht, aber dennoch schon eifrig bespielt. Auch der Holzschmetterling, den er an einer Schnur zu sich ziehen konnte, war eine große Entdeckung.

Und schließlich: Soundbücher. Wie viele Stunden wir diese Bücher angeschaut und abgespielt haben – ich weiß es nicht. Es war ein tägliches Vergnügen 😉 Schon allein, damit wir selbst Abwechslung hatten, haben wir uns mehrere davon angeschafft.

Alter: 10-12 Monate

Die Babyzeit neigt sich dem Ende: Viele Kinder fangen an, sich hochzuziehen oder sogar schon ein, zwei Schritte an Möbeln entlang zu machen. Das Sprachverständnis steigt rasant an: Wochenlang hat mein Sohn mit einem entschiedenen “Da!” nach dem Namen für jeden Gegenstand in Sichtweite gefragt (ja, Spaziergänge waren anstrengend).

Beliebt waren daher die kleinen Duden-Bücher*, die viele Alltagsgegenstände mit Fotos aufzeigen und klar benennen. Die Bücher sind sehr klein, was unserem Kind gut gefallen hat und wodurch man sie auch prima ins Auto oder in die U-Bahn mitnehmen kann.

Ab 11,5 Monaten etwa wollte er laufen. Wir haben daher einen Lauflernwagen* angeschafft, den er monatelang heiß und innig geliebt hat – auch als er das Alleinelaufen schon längst gemeistert hat.

Ebenso hat es ihn begeistert, im Sand zu spielen: Becher befüllen und wieder auszukippen, mit der Hand, mit Schaufeln, mit Eimern – das war die erste Beschäftigung, in die er längere Zeit auch ohne Mama und Papa versinken konnte. Wir haben extra einen großen Eimer mit Sand auf den Balkon gestellt, so dass er sich auch ohne Spielplatzbesuch damit beschäftigen konnte. Im Sommer kam noch ein bisschen Wasser dazu – das war Begeisterung pur!

In eine ähnliche Richtung geht die Steckbox: Zwar fiel es ihm noch lange schwer, das jeweils richtige Loch zu finden, aber er hat sich sehr gern damit beschäftigt. Und zur Not kann man den Deckel ja auch anheben 😉

Weiterhin sind Bilder interessant: Wir haben ein Foto-Memory, in das wir selbst Bilder stecken können. Natürlich kann er das eigentlich Spiel noch nicht spielen, aber so konnten wir – ohne Gefahr, etwas zu zerknittern oder zu verschlucken – Fotos von Oma, Opa, Tante und Onkel anschauen & dazu ein bisschen was erzählen. Eine wirklich nachhaltige Version habe ich leider nicht finden können – das Memory von Jako-o besteht aus Polyester. Immerhin findet man es oft auf ebay-kleinanzeigen.

Fazit: Nachhaltiges Babyspielzeug

Nachhaltiges Babyspielzeug sollte nicht “nur” der Umwelt zuliebe bevorzugt werden; es ist auch in Bezug auf Gesundheit und Sicherheit für das eigene Kind die bessere Wahl. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von nachhaltigen Marken, deren Stoffe GOTS-zertifiziert sind und/oder deren Hölzer aus nachhaltigerer Produktion stammen. 
Alternativen finden sich immer gebraucht: Über Second-Hand-Läden, vinted oder aus dem Freundeskreis.

Am nachhaltigsten sind jedoch Spielsachen, die auch lange genutzt werden – dann spart man sich eventuell auch die ein oder andere Anschaffung ein.  

Quellen für diesen Beitrag

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