Vor rund 20 Jahren wurden die ersten Produkte mit dem Fairtrade-Siegel versehen – inzwischen ist es kaum noch wegzudenken. Kaffee war das Lebensmittel, mit dem alles begann, und es ist noch heute das bekannteste Fairtrade-Produkt. Darüber hinaus gibt es Tausende weitere: Schokolade, Bananen, Tee, Säfte oder Zucker; außerdem non-Food-Artikel wie Baumwolle, Blumen, Fußbälle und Gold.  Was genau bedeutet das Fair-Trade-Siegel aber eigentlich? Wie viel kommt wirklich bei den Produzenten an? Wie fair ist Fairtrade?

Was bedeutet das Fairtrade-Siegel?

Das Fair-Trade-Siegel kennzeichnet Produkte, die eine Vielzahl an sozialer, ökologischer und ökonomischer Kriterien einhalten.
Ein Kernelement ist die faire Bezahlung. Nehmen wir das Beispiel Kaffee: Der Weltmarktpreis für Kaffee schwankt deutlich – dementsprechend auch der Betrag, den Kleinbauern und Kooperativen für ihren Kaffee erhalten. Bei konventionellem Kaffee ist es daher möglich, dass der Erlös der Ernte nicht einmal die Kosten deckt, die für den Anbau entstanden sind. 

Das Fairtrade-Siegel dagegen garantiert einen Mindestpreis, so dass die Kosten für den Anbau und die Ernte garantiert bezahlt werden. Liegt der Weltmarktpreis aktuell höher als der Mindestpreis, erhalten die Bauern selbstverständlich den höheren Preis. (Wie hoch der aktuelle Mindestpreis je nach Land ist, kann übrigens online eingesehen werden). 

Zusätzlich erhalten die Kleinbauern-Organisationen sowie die Beschäftigten auf Plantagen eine Fairtrade-Prämie. Alle Beteiligten entscheiden gemeinsam, wie dieser Betrag am besten eingesetzt wird: Etwa für eine Schule vor Ort, ein Gesundheitszentrum oder neue Geräte, die die Ernte erleichtern. 

Zu den sozialen Kriterien gehören Vorgaben, die die Rechte am Arbeitsplatz betreffen: Beispielsweise geregelte Arbeitszeiten, das Verbot von Kinderarbeit und die Stärkung von Gewerkschaften.

Auch ökologische Kriterien spielen eine Rolle: Das Fairtrade-Siegel ist kein Bio-Siegel, verbietet aber gesundheitsschädliche Pestizide und fördert mit einer Prämie die Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft.

Ganz einfach erklärt: Was bedeutet das Fairtrade-Siegel?

Das Siegel garantiert, dass dieses Produkt nicht unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurde:
Die Hersteller erhalten einen angemessen Verkaufspreis, werden nicht diskriminiert und es ist keine Kinderarbeit involviert. Oder noch kürzer:
Das Produkt wird unter Bedingungen hergestellt, die wir für unsere eigenen Arbeitsplätze voraussetzen.

Wer vergibt das Fairtrade-Siegel?

In Deutschland wird das Siegel durch TransFair e.V. vergeben. Der gemeinnützige Verein arbeitet zudem daran, fair gehandelte Produkte bekannter zu machen und die Vorteile des Fairen Handels herauszustellen.

Auch in 21 anderen Ländern gibt es nationale Fairtrade-Organisationen, die die gleichen Ziele verfolgen. Zusammen mit drei Produzenten-Netzwerken sind sie unter der Dachorganisation “Fairtrade International” organisiert. Dessen Vorstand beschließt die aktuellen Konditionen – Prämien, Preise, Standards – und setzt sich partnerschaftlich aus Vertretern von Produzenten sowie nationalen Organisationen zusammen.

Die Einhaltung der Standards wird von FLOCERT, einer unabhängigen Tochtergesellschaft, kontrolliert.

Sind Produkte mit Fairtade-Siegel zu 100 Prozent fair?

Jein. Bei Produkten, die ausschließlich aus einem Rohstoff bestehen (wie Kaffee oder Bananen), entspricht alles den Fairtrade-Standards. Es gibt jedoch auch sogenannte Mischprodukte, die aus mehreren Zutaten bestehen: etwa Schokolade.

Hier gilt: Damit ein Mischprodukt das Fairtrade-Siegel tragen darf, müssen alle Zutaten, die als fairtrade-Zutaten erhältlich sind, auch tatsächlich fairtrade-zertifiziert sein. 

Sprich: Die österreichische Milch in der Schokolade ist nicht fairtrade-zertifiziert, weil die Möglichkeit gar nicht besteht – das ist dann okay so (schließlich ist in Österreich grundsätzlich von vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen auszugehen). Aber die Kakaobohnen und der Zucker in der Schokoladentafel müssen den Fairtrade-Standards entsprechen und zertifiziert sein. 

Diese “so-Fairtrade-wie-möglich-Mischprodukte” tragen dann ein Fairtrade-Siegel mit Pfeil, der auf die Rückseite und weitere Informationen verweist.

Ein solches Fairtrade-Siegel mit Pfeil wird wird auch für Produkte mit Mengenausgleich verwendet: 

Bei einer Banane bedeutet das Fairtrade-Siegel, dass der Produzent für genau diese Banane fair bezahlt worden ist. Bei manchen Produkten ist es jedoch schwieriger, sie exakt zurückzuverfolgen: So kann es zum Beispiel bei Saft passieren, dass die fairen Orangen zusammen mit nicht-fairen Orangen zu Saft gepresst werden. Es ist hier nicht möglich, zwischendurch alle Maschinen zu stoppen und die beiden Produzenten klar zu trennen; beim fertigen Saft kann man also nicht mehr genau zurückverfolgen, welcher Anteil von wem stammt.  

Das macht aber nichts: Der Produzent hat Orangen für 100 Liter Saft hingebracht, bekommt am Ende 100 Liter Saft ausgehändigt und erhält den Fairtrade-Lohn für 100 Liter Saft – nicht mehr und nicht weniger.

Man könnte auch sagen: Das System funktioniert in etwa so wie Ökostrom.

Ist Fairtrade wirklich fair?

Der Begriff “fair” ist nicht gesetzlich geschützt – er wird daher auch gerne in anderen Siegeln eingesetzt, die ganz andere Konditionen haben und daher nicht mit dem eigentlichen Fairtrade-Siegel verwechselt werden sollten.  

Und natürlich kann lange darüber gestritten werden, was genau denn nun “fair” für alle Beteiligten ist. Alle festgelegten Kriterien für das Siegel sind letztlich ein Kompromiss und der Versuch, auf die individuellen Bedingungen vor Ort einzugehen: Es ist entscheidend, aus welchem Land ein Produkt kommt, ob es von Kleinbauern oder auf größeren Plantagen geerntet wird und um welche Sorte es sich handelt. Und tatsächlich gibt es auch Länder, in denen ein Mindestpreis gar nicht erlaubt ist.  

Auf der anderen Seite “dürfen” die Prämien nicht zu hoch sein, um den Verkaufspreis des jeweiligen Produktes nicht zu hoch zu treiben. Fairtrade-Kaffee ist bereits spürbar teurer als der konventionelle Kaffee; steigt der Preis weiter, wird er seltener gekauft. Das ist auch und gerade für die Kaffeebauern letztlich von Nachteil.

Diese Kompromisse an die Kaufbereitschaft der Kunden spielen vor allem in Supermärkten und Discountern eine Rolle, wo die fair gehandelte Schokolade mit der unfairen im Wettbewerb steht.  

Anders ist es im Weltladen: Die Fachgeschäfte für Produkte aus dem Globalen Süden führen ausschließlich fair gehandelte Waren. Wer im Weltladen einkauft, kauft bewusst aus fairem Handel und ist bereit, dafür mehr Geld zu zahlen als bei ALDI und LIDL. Daher sind die Konditionen für diese Produzenten noch besser, “noch fairer”, wenn man so will. Wer die Wahl hat, sollte daher immer im Weltladen einkaufen.

Nur: Weltläden haben – im Vergleich zu den großen Supermarktketten – relativ wenige Kunden. Das Fairtrade-Siegel wurde entwickelt, um fairen Kaffee und Schokolade auch in die Supermärkte zu bringen, und diese dort von den anderen, nicht-fairen Produkten zu unterscheiden. Hier ist zwar der Preisdruck größer, aber die Wahrscheinlichkeit, gekauft zu werden, höher. 

Das Fairtrade-Siegel ist also ein Kompromiss aus “so fair wie möglich” für die Produzenten und der “diesen Aufpreis zahle ich noch”-Bereitschaft des durchschnittlichen Kunden. 

Fazit: Wie fair ist der Faire Handel?

Das Fairtrade-Siegel garantiert angemessene Preise und Arbeitsbedingungen, die zusammen mit den  Produzenten erarbeitet wurden und laufend durch unabhängige Kontrollen überprüft werden. Es ist immer ein Kompromiss aus den Wünschen und Ansprüchen aller Beteiligten, der jedoch insgesamt sehr erfolgreich funktioniert und nachweislich positive Effekte auf den Globalen Süden hat. 

Am besten ist es, faire Produkte im Weltladen zu kaufen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, für den sind fairtrade-zertifizierte Produkte im Supermarkt eine tolle Alternative.