Und täglich grüßt … das Plastik. Es ist praktisch, leicht und vielseitig, und daher aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber: Vielseitig ist es, weil es nicht allein daherkommt – zahlreiche Zusätze machen Kunststoffe gefährlich für Mensch und Umwelt. Spätestens bei der Entsorgung haben wir ein Problem. Hier findest du neun Fakten über Plastik.

EINS. Plastik ist überall – und wird rasant mehr

Plastik wird erst seit einigen Jahrzehnten genutzt – seitdem ist es nicht mehr wegzudenken. Die Herstellung von Kunststoffen nimmt seit Mitte des 20. Jahrhunderts exponentiell zu. 56 Prozent des jemals produzierten Plastiks wurde erst seit dem Jahr 2000 hergestellt.

Momentan werden jährlich etwa 400 Millionen Tonnen des Rohstoffs weltweit produziert; bereits im Jahr 2025 sind es voraussichtlich mehr als 600 Millionen Tonnen. Damit steigen auch die Schwierigkeiten, das Plastik korrekt zu entsorgen und zu recyceln.

ZWEI. Plastik für wenige Minuten

Etwa ein Drittel des Plastiks wird für Einweg-Verpackungen verwendet und ist daher nur sehr kurze Zeit in Gebrauch: Schätzungsweise 40 Prozent aller Kunststoffprodukte werden maximal einen Monat lang genutzt. Bei vielen Produkten ist die tatsächliche Verwendung deutlich kürzer: Eine Plastiktüte ca. 25 Minuten, ein Coffee-to-go-Becher nur 15 Minuten. Gleichzeitig ist die eigentliche Lebensdauer extrem lang: Eine PET-Flasche braucht 450 Jahre, um im Meer zu zersetzen.

Ist Plastik gesundheitlich bedenklich?

DREI. Kein Plastik ohne Zusatzstoffe

Plastik ist auch deshalb so beliebt, weil es sehr unterschiedliche Eigenschaften vorweisen kann: Je nach Herstellungsverfahren und Zusatzstoffen kann es hart oder weich, wasserabweisend oder flammfest sein. Diese zusätzlichen Substanzen sind oft gefährlich für den Menschen – und trotzdem zahlreich in den Produkten: Ein durchschnittlicher Gegenstand aus Plastik besteht zu 7 Prozent aus Zusatzstoffen, im Einzelfall können Weichmacher und Co aber auch bis zu 70 Prozent ausmachen.

VIER. Giftige Zusätze

Mit der Zeit lösen sich die Zusatzstoffe aus den Plastikprodukten und werden über die Haut oder die Atemwege vom Körper aufgenommen. Bei Kindern konnten besonders viele Weichmacher im Blut nachgewiesen werden. Für Kinderspielzeug aus Kunststoff bestehen zwar Grenzwerte, die jedoch immer wieder überschritten werden. 

Nicht jeder Zusatzstoff ist gefährlich; einige wirken jedoch hormonell und haben daher direkten Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Sie können Erkrankungen wie Brust- und Hodenkrebs, Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit, Allergien, Diabetes, aber auch eine verfrühte Pubertät verursachen.

FÜNF. Binden aus Plastik

Plastik ist nicht nur der Stoff von Verpackungen und Tupperware: Auch und gerade Hygieneprodukte bestehen zu einem Teil daraus. Binden bestehen aus bis zu 90 Prozent Plastik, Tampons immerhin bis zu 6 Prozent. In beiden Produkten sind häufig hormonell wirksame Stoffe enthalten – Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS) -, die direkt von der Haut aufgenommen werden. Eine gute Alternative sind Stoffbinden* sowie Menstruationstassen* aus Silikon.

Darüber hinaus ist es kein Geheimnis mehr, dass auch Shampoos, Duschgels und Cremes häufig Kunststoffe enthalten. Das betrifft nicht nur das Mikroplastik, das als Peeling dient, sondern auch eine ganze Reihe anderer Eigenschaften: Acrylat-Verbindungen zum Beispiel verdicken die Textur, in Lippenstiften sorgt Plastik für Glanz und die „richtige“ Konsistenz.

SECHS. Plastik in der Kleidung

Wer weniger Plastik benutzen möchte, sollte auch beim Kauf von Kleidung auf das Etikett schauen: 15 Prozent der jährlichen Plastikproduktion wird in Textilien verarbeitet. Zu den synthetischen Fasern gehören zum Beispiel Polyester, Polyamid und Polyacryl. 

Die Textilindustrie nutzt bis zu 40 000 verschiedene Chemikalien, um der Kleidung die gewünschten Eigenschaften zu verleihen. Eine Vielzahl davon ist krebserregend und beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit. Der Anteil an diesen Stoffen ist im fertigen T-Shirt meist gering – die ArbeiterInnen entlang der Wertschöpfungskette sowie die AnwohnerInnen werden dem Risiko jedoch hochgradig ausgesetzt. Studien belegen bereits die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs, Leukämie und Fehlgeburten.

(Mehr Informationen zu diesem Thema findest du im Beitrag „Der hohe Preis der Billigkleidung„.)

Endstation Plastik?

SIEBEN. Plastik im Boden

(Mikro-)Plastik ist ein großes Problem für unsere Gewässer – und für unsere Böden. Tatsächlich reichert sich in Wiesen und Äckern bis zu 23 Mal so viel Plastik an wie im Meer. Auch hier hat das zunächst Auswirkungen auf die Kleinstlebewesen, die jedoch auch für uns essentiell sind – Regenwürmer beispielsweise. Wie genau die Verschmutzung durch Plastik sich auf unsere Böden und Ökosysteme auswirkt, ist jedoch noch viel zu wenig erforscht. Es ist möglich, dass kleinste Plastikpartikel – sogenanntes Nanoplastik, das noch kleiner als Mikroplastik ist – über die Wurzeln in Pflanzen, Obst und Gemüse aufgenommen wird. 

ACHT. Wie wird Plastik global entsorgt?

Weltweit werden nur 14 Prozent aller Plastikabfälle recycelt. Ein großer Teil landet auf Mülldeponien oder in der Umwelt; ein weiterer Teil wird verbrannt. Das geschieht oft unkontrolliert, so dass die giftigen Schadstoffe ungefiltert in die Umwelt gelangen. Etwa 14 Prozent des weltweiten Plastikmülls wird dagegen in Müllverbrennungsanlagen entsorgt und kontrolliert verbrannt. Aber auch hier können die Schadstoffe nicht komplett herausgefiltert werden; sie verbleiben bspw. im Filterstaub und der Asche. 

350 000 Tonnen dieses hochgiftigen Abfalls werden jährlich im thüringischen Bleicherode gelagert – ein Endlager für Dioxine und Blei, das nicht nur dem BUND zufolge eine Gefahr für das Trinkwasservorkommen darstellt.

 

NEUN. Wie viel Plastik wird in Deutschland recycelt?

Offiziell werden in Deutschland ca. 42 Prozent des Plastiks recycelt. Tatsächlich ist die Quote jedoch deutlich geringer, denn diese Zahl beschreibt nur den Anteil an Plastik, der an Recyclingunternehmen abgegeben wird. 

Tatsächlich werden nur etwa 15 Prozent der Kunststoffe in Deutschland wiederaufbereitet, der Rest wird ins Ausland – vor allem nach Asien – verschifft. Warum aber ist die Recyclingquote so gering?

Das liegt an verschiedenen Faktoren: Nicht jeder Kunststoff kann recycelt werden, da die entsprechenden Anlagen dafür notwendig sind. Beim Sortierprozess werden viele Produkte falsch zugeordnet – dunkelblaue oder schwarze Plastikverpackungen wie Shampoo-Flaschen können schlecht erkannt werden und werden daher aussortiert. Viele Plastikprodukte bestehen zudem aus verschiedenen Kunststoffen, die sich nicht mehr trennen lassen – das Recyclat ist daher von schlechterer Qualität: man spricht auch von “Downcycling”.