Es klingt nach einer neuen Erfindung – tatsächlich sind Biokunststoffe aber schon ein alter Hut: Bis in die 1930er Jahre wurde Plastik nicht aus Erdöl, sondern meist aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Und auch heute spielen Biokunststoffe wieder eine größere Rolle. Sind sie tatsächlich eine sinnvolle Alternative zum konventionellen Plastik? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Und: Was genau ist das eigentlich?

Welche Biokunststoffe gibt es?

Tatsächlich ist der Begriff “Bioplastik” nicht genau definiert: Die einen meinen damit, dass das Produkt aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt wurde, also zum Beispiel Mais, Zuckerrohr oder Cellulose. Man spricht dann auch von einem biobasierten Kunststoff. Andere meinen damit ein Produkt, das biologisch abbaubar ist. 

Und manchmal kommt tatsächlich beides zusammen. Dazu gehört zum Beispiel PLA (auch: Polylactid oder Polymilchsäuren), ein oft verwendeter Biokunststoff, der aus Maisstärke und Milchsäure hergestellt wird und biologisch abgebaut werden kann. Er ist dem Erdöl-basierten Plastik sehr ähnlich und wird daher oft für Verpackungen eingesetzt.

Wenn ein Produkt also damit beworben wird, dass es aus Bioplastik hergestellt wird, solltest du zunächst darauf achten, was genau damit gemeint ist. So sind nur etwa 40 Prozent der biobasierten Kunststoffe auch tatsächlich biologisch abbaubar. 

Wenn der Hersteller ein Produkt aus biobasiertem Kunststoff bewirbt, stellt sich im Anschluss die Frage, zu wie viel Prozent nachwachsende Rohstoffe enthalten sind. Denn wie gesagt, der Begriff ist nicht geschützt. Theoretisch kann das Produkt zu 80% aus Erdöl und nur zu 20% aus Maisstärke bestehen – es ist dennoch möglich, es als Bioplastik zu bewerben.

Beispiele für Bioplastik sind Mülltüten für die Biotonne, Verpackungen, aber auch z.B. Bioplastik-Geschirr. Prinzipiell ist jegliches Plastikprodukt auch aus einer Form von Bioplastik herstellbar.

Welche Vorteile haben Biokunststoffe?

Biobasierte Kunststoffe werden nicht aus Erdöl hergestellt. Das ist ein großes Plus: Wenn diese Produkte am Ende ihres Lebenszyklus verbrannt werden, wird eine vergleichsweise geringe Menge CO2 freigesetzt.
Darüber hinaus fallen eben keine giftigen Stoffe bei der Entsorgung an wie es bei herkömmlichem Plastik der Fall ist.

Auch die Herstellung von Bioplastik ist häufig deutlich weniger energieintensiv als jene von konventionellem Plastik.

Biologisch abbaubare Kunststoffe haben den Vorteil, relativ schnell zu Verrotten: Im Gegensatz zum Begriff “Bioplastik” ist “biologisch abbaubar” nämlich durch eine EU-Verordnung definiert: Das Produkt muss innerhalb von maximal 90 Tagen in einer industriellen Kompostierungsanlage zu mindestens 90 Prozent in kleinste Partikel zerfallen. 

Unter anderen Bedingungen kann dieser Prozess natürlich auch länger dauern – unter Umständen bis zu zwei Jahre. Immerhin aber wird Bioplastik nicht jahrhundertelang durch die Weltmeere treiben und die Probleme des Mikroplastiks verschärfen. In dieser Hinsicht ist Bioplastik ein echter Gewinn!

Leider haben Biokunststoffe aber auch ihre Schattenseiten:

Welche Nachteile haben Biokunststoffe?

Biokunststoffe werden zwar aus natürlichen Rohstoffen gewonnen – aber eben nicht aus biologisch angebauten Rohstoffen. Ganz im Gegenteil, die verwendeten Pflanzen wie Zuckerrohr, Mais oder Kartoffeln stammen oft aus Monokulturen in Südamerika. Hier werden in hohem Maße Pestizide eingesetzt, die in der EU teilweise gar nicht erlaubt sind.

Darüber hinaus stehen die Agrarflächen, die nun für Kunststoffe benötigt werden, in Konkurrenz zu Agrarflächen für die Lebensmittelerzeugung. Schon heute kann diese Situation in einigen Regionen zu Wasserknappheit, Artensterben und Wüstenbildung führen – und je mehr biobasierte Kunststoffe nachgefragt werden, desto größer werden diese Probleme.

Das Dilemma lässt sich nicht wirklich auflösen: Verwandelt man bisherige Wälder oder brachliegende Flächen in Agrarflächen, geht deren CO2-Speicher verloren und die Klimabilanz der Produkte verschlechtert sich deutlich.

Insgesamt sind die Schäden der industriellen Landwirtschaft – durch Überdüngung, Versauerung, Wasserverbrauch – so hoch, dass die positiven Effekte in Bezug auf das Klima wieder ausgeglichen werden.

Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben insgesamt keinen ökologischen Vorteil. […] Wirklich umweltfreundlich sind nur Mehrwegtaschen, etwa Stoffbeutel und Taschen aus anderen langlebigen Materialien.

Umweltbundesamt

Was die Entsorgung betrifft, sind selbst biologisch abbaubare Kunststoffe problematisch. Ein typisches Produkt aus Bioplastik sind Müllbeutel aus PLA, die für den Biomüll geeignet sein sollen.
Tatsächlich treten hier zwei Probleme auf: Erstens erkennen Sortieranlagen nicht, welche Müllbeutel aus welchem Rohstoff hergestellt werden. Zweitens benötigen die PLA-Müllbeutel immer noch viel zu lange, um zu verrotten.

Die EU schreibt zwar maximal 90 Tage vor, die meisten Kompostieranlagen arbeiten jedoch mit etwa ein Drittel der Zeit. Daher werden auch die biologisch abbaubaren Kunststoffe in der Regel verbrannt. (Aber immerhin, wir erinnern uns: Es ist deutlich besser, Bioplastik zu verbrennen als Erdöl-Plastik).

Auch für den heimischen Kompost sind Bioplastiktüten aus PLA nicht geeignet: Hier werden nicht die notwendigen Temperaturen von 60 Grad erreicht.

Und: Auch Biokunststoff bleibt Kunststoff. Wenn sich dieser zersetzt, entsteht kein wertvoller Humus, der als Dünger verwendet werden kann. Daher gilt: Auch biologisch abbaubare Kunststoffe sollten niemals in die Biotonne, sondern in den gelben Sack! Die einzige Ausnahme können jene Müllbeutel sein, die extra für die Biotonne konzipiert wurden. Diese sollten dann nach EN 14995 oder EN 13432 zertifiziert worden sein. Außerdem hat jeder Landkreis eigene Vorgaben dazu; am besten solltest du also online nachschauen, ob die Verwendung an deinem Wohnort erlaubt ist.

Fazit: Sind Biokunststoffe eine Alternative?

Aktuell ist Bioplastik leider keine gute Alternative zu herkömmlichen Plastik: Biobasierter Kunststoff ist nicht umweltfreundlicher als fossilbasierter und der biologische Abbau ist nicht so schnell und einfach wie erhofft. Eigentlich klar: Plastik soll langlebig, hitzebeständig und relativ “unzerstörbar” sein, daher ist eine schnelle und einfache Entsorgung auf dem Kompost ein Widerspruch.

Immerhin: Bioplastik könnte sich zu einer nachhaltigeren Alternative entwickeln, wenn beim Anbau des Rohstoffs auf eine biologische Produktion geachtet und/oder Abfallprodukte bei der Herstellung von anderen Waren genutzt werden. 

Solange dies nicht flächendeckend der Fall ist, kann Bioplastik auch Greenwashing sein – der grüne Anstrich eines wenig nachhaltigen Produktes.