Krankenkasse, Kfz-Versicherung oder die Altersvorsorge: Es gibt eine Vielzahl an Versicherungsleistungen, die wir in Anspruch nehmen. So unterschiedlich sie alle sind, eins haben sie gemeinsam: Die klassischen Anbieter lassen ihre Kund:innen darüber im Unklaren, wohin ihre Beiträge fließen. Oft wird in Rüstung, Atomkraft oder Unternehmen investiert, die ausbeuterische Praktiken verfolgen oder zumindest dulden. Zum Glück gibt es inzwischen auch nachhaltige Anbieter in diesem Bereich [Gastbeitrag].

[Gastbeitrag von Dennis & Tanja.]

Dennis und Tanja haben einige Jahre im Banken- und Versicherungswesen gearbeitet. Privat leben die beiden schon lange möglichst nachhaltig. Eine vegane Ernährung, der Einsatz für den Umweltschutz – geht das mit  Versicherungen zusammen? Manchmal schon!

Die zwei haben sich intensiv mit der Thematik beschäftigt. In diesem Gastbeitrag erklären sie dir, welche nachhaltigen Versicherungen es überhaupt gibt, worauf man achten kann und was überhaupt an der klassichen Versicherung problematisch ist.

Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, denkt auch ganz bewusst über die Zukunft nach. Früher oder später kommt man dann um Themen wie Versicherungen und Altersvorsorge auch nicht mehr herum. Aber lassen sich die beiden Dinge eigentlich mit Nachhaltigkeit vereinbaren? Geht das überhaupt? Und wenn ja, wie funktioniert so etwas?

Wir suchen immer wieder nach wirklich nachhaltigen Lösungen im Versicherungs- und Vorsorgebereich. Wirklich fündig wird man nur schwer. Leider ist Nachhaltigkeit oft einfach ein Marketinginstrument und man muss mehr als zweimal hinschauen, um nicht auf Greenwashing reinzufallen.

Einige Gesellschaften geben sich aber auch mehr und mehr Mühe, nachhaltig zu handeln. Wer Interesse an einer nachhaltigen Absicherung hat, der wird mit der richtigen Beratung definitiv fündig.

Problem: Was passiert mit meinen Beiträgen?

Genau wie Banken investieren Versicherungen die eingezahlte Beiträge in verschiedenste Projekte (siehe auch: Nachhaltige Banken: Mein grünes Konto). Die meisten Versicherungen schränken sich in ihrer Auswahl an Investitionsmöglichkeiten kaum ein. Das bedeutet für die VerbraucherInnen, dass eine Anlage in fossile Brennstoffe, Rüstungskonzerne oder auch Lebensmittelspekulationen nicht ausgeschlossen ist. Transparenz? Fehlanzeige.

Anders als bei Banken gibt es in diesem Bereich noch wenige Unternehmen, die sich komplett auf Nachhaltigkeit ausrichten. Immerhin: Es gibt immer mehr Gesellschaften, die zumindest Teilbereiche nachhaltig gestalten und darüber transparent Rechenschaft ablegen.

Infobox:

  • Die Begriffe “nachhaltig”, “fair” oder “öko” sind nicht geschützt  – jedes Unternehmen meint etwas anderes damit
  • Im Jahr 2017 hat die Verbraucherzentrale 46 große Rentenversicherungen hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit untersucht:
    • 24 der befragte Unternehmen haben gar keine Ausschlusskriterien, das heißt sie unterstützen ggf. geächtete Waffen wie Landminen, Nahrungsmittelspekulationen, Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit
    • Bei den übrigen 22 Unternehmen liegt meist nur ein einziges Ausschlusskriterium vor (meist geächtete Waffen oder Lebensmittelspekulationen)
    • Klimaschutz: Nur 4 Versicherer schränken ihre Investitionen in Kohlekraft ein
    • Transparenz: 20 der 46 Anbieter veröffentlichen keine aussagekräftigen Informationen und wollten auch gegenüber der Verbraucherzentrale keine Angaben machen
  • Eine Übersicht über die Ergebnisse findest du hier: https://www.geld-bewegt.de/

Nachhaltige Versicherungsgesellschaften investieren in soziale und ökologische Projekte oder nachhaltige Kapitalanlagen. Sie unterstützen beispielsweise die Aufforstung von Wäldern oder finanzieren klimaneutrale Immobilienprojekte.

Dazu gehören zum Beispiel Pangaea Life sowie die Stuttgarter Versicherung. Besonders Pangaea Life gehört zu den absoluten Vorreitern im Bereich Nachhaltigkeit. Hier können immer mehr Sparten neben der Altersvorsorge abgedeckt werden. Es gibt beispielsweise Lösungen für eine nachhaltige Haftpflichtversicherung oder auch eine nachhaltige Kfz-Versicherung für Elektro- oder Hybridautos.

Andere nachhaltige(re) Versicherungen sind beispielsweise die Concordia Oeko (Rente), BKK proVita (Krankenkasse), Securvita BKK (Krankenversicherung, Riester-Rente, etc.) oder die Barmenia (Rente, Krankenversicherung, Kfz, Haftpficht).

Pangea Life:

  • noch klein, jedoch Tochterfirma von “Die Bayerische” und dadurch abgesichert
  • bietet an: 
    • Hausrat-, Haftpflicht, Kfz-Versicherung
    • Altersvorsorge und Invenstmentrente
  • investiert in Projekte zum Schutz des Klimas, d.h. zu 100 Prozent in erneuerbare Energien
  • das Unternehmen selbst richtet sich möglichst nachhaltig aus, d.h. es strebt u.a. einen klimaneutralen Geschäftsbetrieb an, nutzt Ökostrom und E- sowie Hybrid-Autos
  • Mehr Infos: https://www.pangaea-life.de

Stuttgarter Versicherung:

  • bietet an: GrüneRente (auch als Betriebliche Altersvorsorge)
  • garantiert, mindestens in Höhe des Sparanteils der eingezahlten Beiträge in nachhaltige Projekte zu investieren
  • die nachhaltige Ausrichtung wird vom INAF überprüft (Institut für nachhaltiges, ethisches Finanzwesen e. V.)
  • mehr Infos: https://www.stuttgarter.de/rente-vorsorge/gruenerente

Sind nachhaltige Versicherungen genauso sicher?

In Punkto Sicherheit stehen nachhaltig ausgerichtete Gesellschaften den klassischen in keinem Bereich nach.
Meist stehen große Versicherer mit der entsprechenden Finanzstärke im Hintergrund und gesundes Wirtschaften steht bei den nachhaltigen Versicherungsgesellschaften genau so im Mittelpunkt wie der Faktor Nachhaltigkeit.

Sind nachhaltige Versicherungen teurer?

Im Grunde lässt sich das mit dem Einkauf von Bio-Lebensmitteln verkaufen: Manchmal sind die Preise fast gleich. Es gibt aber auch Sparten, bei denen man gerne zur minimal teureren Lösung greift – nicht nur, weil es die Umwelt schützt, sondern auch, weil das Angebot oft die besseren Leistungen enthält. Viele nachhaltige Lösungen sind Premium-Produkte, die für den ein oder anderen Euro mehr auch wirklich mehr bieten.

Oftmals sind die Preisunterschiede aber auch nicht der Rede wert, man muss nur genau wissen, worauf man achten muss. Denn prinzipiell können grüne Versicherungen ebenso gute Konditionen anbieten wie klassische Versicherungen. 

Investiert ein Unternehmen beispielsweise in erneuerbare Energien, erhalten sie ebenso gute Renditen wie in vielen anderen Branchen – gleichzeitig ist das Risiko von unberechenbaren Schwankungen (wie auf dem Aktienmarkt) deutlich reduziert. Besonders in Krisenzeiten ist das ein enormer Vorteil.

Klimaneutrale Projekte bieten also eine optimale Mischung aus Sicherheit und Gewinn und tragen dabei zum Erhalt unserer Erde bei.

Warum ist eine  (grüne) Rentenversicherung oft sinnvoll?

Es ist kein Geheimnis mehr, dass die staatliche Rente für viele Menschen gering ausfallen wird. Eine zusätzliche Altersvorsorge – egal in welcher Form – ist also in jedem Fall wichtig. 

Eine Möglichkeit ist es, selbst Geld an der Börse zu handeln und in Fonds und ETFs anzulegen. Das setzt jedoch Voraus, sich mit der Thematik beschäftigt zu haben und beinhaltet – je nach Investition – ein mehr oder weniger großes Risiko, im Alter dennoch ohne Absicherung dazustehen.

Die andere Möglichkeit ist eine Altersvorsorge im Versicherungsmantel. Das kostet natürlich Gebühren – wie jede andere Versicherung auch -, aber dafür erhalte ich die Sicherheit, im Alter gut versorgt zu sein. 

Prinzipiell sichere ich mich mit einer Rentenversicherung dagegen ab, sehr lange zu leben. Das klingt komisch, ist aber tatsächlich sehr sinnvoll:
Wir leben immer länger und die Lebenserwartung steigt mit jeder Generation. Eine Rentenversicherung garantiert mir eine lebenslange monatliche Rente – auch wenn mein eingezahltes Guthaben bereits komplett ausgezahlt wurde.

 

Darüber hinaus bietet eine Rentenversicherung enorme Steuervorteile, da maximal die Hälfte meiner Gewinne versteuert wird. Bei einem guten Tarif garantiert zudem eine Hinterbliebenenabsicherung, dass das vorhandene Guthaben im Todesfall auch an Angehörige ausgezahlt wird.

Es gibt noch mehr Dinge, die im Einzelfall sehr hilfreich sind. Wenn man aber grundsätzlich versteht, dass ich mir die gerade geschilderten Vorteile durch den Kostenanteil erkaufe, sind die Kosten absolut gerechtfertigt und nichts anderes als eine nachhaltige Investition in die eigene Zukunft.

Wir denken: Man sollte zwar keineswegs sein ganzes Vermögen in nur einer Rentenversicherung ansparen. Andersherum sollte man aber auch nicht sein ganzes Vermögen in freie Wertpapiere investieren. Wie so oft: Die Mischung macht eine gut abgesicherte Zukunft aus.

Wie flexibel ist meine grüne Altersvorsorge?

Auch einige nachhaltige Versicherungen sind flexibel und bieten verschiedene Optionen an. Falls gewünscht, sollten Zuzahlungen genauso möglich sein wie eine – vorübergehende oder dauerhafte – Erhöhung, Senkung oder Stilllegung des monatlichen Beitrags. Und falls ich keine lebenslange monatliche Rente wünsche, kann ich, je nach Tarif, auch eine Einmalzahlung des Gesamtguthabens wählen; auch Teilauszahlungen sind möglich. 

 

Ist der Wechsel zu einer grünen Versicherung aufwändig?

Vielen Menschen graut es vor einem Wechsel, selbst wenn die nachhaltigen Optionen ganz spannend klingen. Dabei ist das gar nicht viel Aufwand. Die meisten Verträge lassen sich innerhalb von 1-3 Monaten kündigen. Einen neuen Vertrag abzuschließen, der nahtlos weiterläuft, ist meist nur eine Sache von Minuten.