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Kurze Transportwege sind gut für die Umwelt, daher verkaufen sich regionale Produkte besser als die Konkurrenz. Dabei bleibt offen, was genau “regional” oder “aus der Heimat” tatsächlich bedeutet: Meine Stadt, mein Landkreis, mein Bundesland? Tatsächlich kommen viele dieser Lebensmittel aus ganz anderen Ecken Deutschlands. Hier erfährst du, wie Regionalität suggeriert wird und wie du tatsächlich nachhaltig und lokal einkaufen kannst.

Warum regional einkaufen?

Sehr viele KonsumentInnen kaufen bevorzugt regionale Produkte. Dafür gibt es gute Gründe:

# Frische und Geschmack. Regional produzierte Lebensmittel werden reif geerntet und können bereits kurz danach gekauft werden. Das garantiert mehr Geschmack und eine längere Haltbarkeit.

# Kurze Transportwege & weniger CO2. Die kurzen Wege reduzieren den Verkehr sowie den CO2-Ausstoß, sind also gut fürs Klima.

# Lokale Wirtschaft. Wer regional kauft, unterstützt die ProduzentInnen vor Ort und stärkt die Wirtschaft in der Heimat. 

# Gute Umwelt- und Sozialstandards. In Deutschland bzw. Europa herrschen strenge Vorgaben; Produkte aus unklarer Herkunft bzw. aus Nicht-EU-Ländern wird dagegen oft unter schlechten Bedingungen für Mensch und Umwelt hergestellt.

Infobox:

  • Zwei Drittel aller Deutschen geben an, dass sie regionale Produkte bevorzugt einkaufen.
  • Aufgrund der kurzen Transportwege sind regionale Lebensmittel klimafreundlicher – vor allem, wenn sie gleichzeitig Saison haben. Andernfalls können aufwändige Produktsverfahren (z.B. beheizte Gewächshäuser) die Einsparungen wieder zunichte machen.
  • Regional, saisonal, bio – das geht idealerweise einher. Ganz wichtig dabei: Möglichst auch den Einkauf ohne Auto durchzuführen (siehe auch: Rebound-Effekt und Mental Accounting)

Was genau bedeutet “regional”, “von hier” oder “aus der Heimat”?

Hier liegt das Problem: Diese Begriffe sind leider nicht gesetzlich geschützt. Äpfel, die beispielsweise als “Gutes aus der Heimat” beworben werden, können 500 Autobahnkilometer hinter sich haben – das ist erlaubt und keine Seltenheit.

Anders ist es bei Lebensmitteln, die mit einer konkret definierten Region beworben werden: “Äpfel aus der Uckermark” oder “aus dem Rheinland” sind geschützt und müssen, sofern sie angegeben werden, auch tatsächlich stimmen.

Das gilt zumindest bei frischem Obst oder Gemüse. Bei verarbeiteten Lebensmitteln gibt es einige Tricks, die ganz unverbindlich Regionalität suggerieren können:

# Markenname. Ein Markenname wie “Sachsenmilch” oder “Mark Brandenburg” sagt nichts über die Herkunft des Produktes aus. 

# Verarbeitung statt Herkunft: Auf einigen Produkten wird lediglich der Firmensitz oder der Verarbeitungsort angegeben, nicht aber die Region, in dem das Lebensmittel erzeugt wurde. Auch die Info “Hergestellt für …” sagt nichts über die Herkunft aus.

# Gütezeichen der Länder. Die einzelnen Bundesländer haben Regionalsiegel entwickelt – allerdings ohne einheitliche Regelung, was genau diese bedeuten. Das Gütezeichen “Qualität aus Thüringen” schreibt beispielsweise vor, dass lediglich 50,1% des Produktes tatsächlich aus Thüringen stammen müssen.

# geschützte geographische Angabe. Regionale Angaben lassen sich auf zweierlei Arten EU-weit schützen:
Lebensmittel mit “
geschützter Ursprungsbezeichnung” müssen tatsächlich komplett in der angegebenen Region angebaut und verarbeitet werden. Das ist beispielsweise beim “Allgäuer Emmentaler” der Fall.

Bei Lebensmitteln, die dagegen nur eine “geschützte geographische Angabe” vorweisen, muss lediglich eine Produktionsstufe aus dieser Region stammen, d.h. die Erzeugung oder  die Verarbeitung. Das betrifft zum Beispiel den “Schwarzwälder Schinken”. Der Produktionsschritt “Herstellung” (also Würzen und Räuchern, etc.) findet tatsächlich im Schwarzwald statt – die Tiere aber lebten und starben in Dänemark.

Um welche Art von Angabe es sich handelt, lässt sich immerhin auf der Verpackung sofort erkennen: In beiden Fällen ist ein eindeutiges Siegel vorgeschrieben. 

Wer jetzt gleich zum Kühlschrank gehen und seine Einkäufe überprüfen möchte, der kann sich den Weg beinahe sparen: Es gibt 79 deutsche Produkte, die mit einer “geschützten geographischen Angabe” werben und daher nur einen der Produktionsschritte tatsächlich regional vornehmen – und lediglich 12 deutsche Lebensmittel, die mit einer “geschützten Ursprungsbezeichnung” komplett vor Ort produzieren.

Warum ist das problematisch?

Wer “Schwäbische Spätzle” kauft, die bestenfalls noch mit dem Werbetext “aus der Region” vermarktet werden, erwartet eigentlich, dass sie auch komplett aus der Region stammen. Tatsächlich können einzelne Verarbeitungsschritte aber hunderte Kilometer entfernt stattgefunden haben. 

Um das zu überprüfen, hat die Verbraucherzentrale 2015 eine stichprobenartige Untersuchung mit 121 als “regional” vermarkteten Lebensmitteln durchgeführt. Und ja, es gab tatsächlich ein paar Lebensmittel, die ganz in der Nähe entfernt produziert wurden. Die deutliche Mehrheit dagegen legte hunderte Kilometer zurück, ehe sie im Supermarkt verkauft wurde:

“Mecklenburger Käse“ von Rücker, gekauft in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern), wird mit einem Ortsbezug am Produkt sowie am Regal („Aus unserer Region“) beworben.
Das Identitätskennzeichen: DE TH 632 EG, weist auf die Bedien Concept GmbH in Streufdorf als letzten Verarbeiter hin. Dort wurde der in Mecklenburg-Vorpommern hergestellte Käse für Rewe verarbeitet (geschnitten und verpackt). Somit reiste der Käse „aus der Region“ Mecklenburg-Vorpommern zunächst in ein anderes Bundesland (Thüringen) nach Streufdorf, um dann die Strecke von 571 Kilometern zum Verkaufsort nach Schwerin zurückzulegen.

Studie der Verbraucherzentrale

"Lebensmittel mit Regionalangaben – Verwirrspiel oder wichtige Einkaufshilfe?", 2016

In anderen Fällen stammen lediglich Teile des Lebensmittels tatsächlich aus der Region:

Auf dem Putenwiener von Höhenrainer wird mit „Purer Genuss aus Bayern“ geworben. Dies bezieht sich jedoch nicht auf die Herkunft der Rohstoffe (Putenfleisch), denn dieses stammt laut Regionalfenster aus Bayern und Baden-Württemberg. Auch bei den Rostern ohne Darm von Schildauer Fleisch- und Wurstwaren suggerieren die werblichen Auslobungen „Schildauer Spezialitäten“ einen Bezug zur Herkunft. Dieser bezieht sich allerdings auf den Produktionsort, denn das Schweinefleisch stammt aus fünf unterschiedlichen Bundesländern.

Studie der Verbraucherzentrale:

"Lebensmittel mit Regionalangaben – Verwirrspiel oder wichtige Einkaufshilfe?", 2016

Wie und wo regional einkaufen?

Beim Einkauf von vermeintlich regionalen Produkten im Supermarkt gilt es also, genau hinzuschauen und sich nicht täuschen zu lassen. Hilfreich ist dabei das “Regionalfenster”, das inzwischen auf einigen Produkten aufgeführt wird. Das Regionalfenster selbst ist erst einmal kein Beweis für eine regionale Produktion – es listet aber konkret auf, woher der Rohstoff stammt, wo er verarbeitet wurde und – bei verarbeiteten Produkten – zu wie viel Prozent die Rohstoffe aus der Region kommen. 

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Viele Lebensmittel werben auch mit Regional-Siegeln. Die Vielzahl an Initiativen mit jeweils eigenen Vorgaben sind auf den ersten Blick undurchschaubar und verwirrend. Immerhin lässt sich auf der Seite  http://regioportal.regionalbewegung.de mit wenien Klicks nachlesen, was genau das Siegel bedeutet. Wer sich hier informiert, welche Initiative aus der eigenen Region kommt, kann künftig gezielt danach Ausschau halten.

Ganz einfach gelingt regionales Einkaufen auf dem Wochenmarkt oder in Hofläden. Hier kann man ganz einfach nachfragen, wo genau die jeweiligen Lebensmittel gewachsen und verarbeitet wurden – beides sollte in der Regel in der Nähe passiert sein.
Allerdings: Wer extra mit dem Auto zum nächsten Hofladen fährt, macht die eingesparten Transportkilometer zu einem großen Teil wieder zunichte. Viel besser ist es, das Fahrrad zu nehmen oder zu Fuß zu gehen.

Fazit

Lebensmittel regional einzukaufen ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Dabei ist es wichtig, nicht auf Greenwashing hereinzufallen: Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, einen lokalen Anbau zu suggerieren – ohne tatsächlich in der Heimat zu produzieren.

Am sichersten ist es: Auf den konkreten Herstellungsort zu achten, auf Biomärkten und Hofläden einzukaufen und nach Lebensmitteln mit Regionalfenster Ausschau zu halten.