Bio-Lebensmittel werden immer beliebter: Der Umsatz hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, 2019 betrug er fast 12 Milliarden Euro. Die meisten Menschen kaufen Bio vor allem, um eine artgerechte Tierhaltung zu unterstützen und regionale Produkte zu fördern. Auch gesundheitliche Gründe spielen oft eine Rolle.  Kann die Ökolandwirtschaft diese Versprechen tatsächlich halten? Wofür das Siegel steht und warum Bio-Produkte wirklich besser sind, erfährst du hier.

Was genau ist “Bio”?

Die EU hat den Begriff “biologisch” bzw. “ökologisch” wie folgt definiert: Diese Lebensmittel werden:

  1. ökologisch angebaut (das heißt: möglichst umweltschonend und artgerecht)
  2. nicht gentechnisch verändert
  3. nicht mit chemisch-synthetischen Pestiziden behandelt

Der Begriff ist also geschützt und darf nur dann verwendet werden, wenn alle Vorgaben eingehalten werden. Auch günstige Bio-Lebensmittel aus dem Discounter entsprechen folglich den Richtlinien. 

Neben dem EU-Bio-Siegel gibt es noch weitere Siegel, etwa Demeter, Bioland oder Naturland. Die Kriterien für diese Zertifikate sind noch strenger, daher kosten die Produkte meist auch mehr.

Übrigens: Die Begriffe “aus kontrolliertem Anbau” und “aus integriertem Anbau” sind nicht geschützt. Produkte, die so beworben werden, stammen aus konventioneller Landwirtschaft und haben mit Bio leider nichts zu tun.

Was genau ist eine ökologische Landwirtschaft?

Eine ökologische Landwirtschaft nutzt möglichst geschlossene Kreisläufe, um Ressourcen zu schonen und Abfälle zu vermeiden. So wird Gülle oder Kompost verwendet, um die Bodenqualität zu steigern und gleichzeitig den Einsatz von zusätzlichem Dünger zu verringern. Auch das Tierfutter wird selbst angebaut.  

Grundsätzlich könnte man sagen, dass eine ökologische Landwirtschaft mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie. Die Bodenqualität soll dauerhaft erhalten bleiben, so dass auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine Ernte möglich bleibt (was exakt der Definition von ökologischer Nachhaltigkeit entspricht).

Um dies zu erreichen, werden beispielsweise unterschiedliche Fruchtfolgen genutzt, so dass die Böden nicht zu stark ausgezehrt werden. Eine Bodenbedeckung verringert auf natürliche Weise das Unkrautaufkommen, und Krankheiten sollen möglichst präventiv eingedämmt werden: Etwa durch die Wahl der richtigen Sorten, des korrekten Standorts und hilfreicher benachbarter Pflanzen.

Auch in Bezug auf die Tierhaltung gibt es Vorgaben: Es wird eine maximale Anzahl an Tieren pro Fläche vorgeschrieben, die möglichst artgerecht gehalten werden sollen – d.h. mit Kontakt zu Artgenossen, Tageslicht und Auslauf.

Warum ist Bio teurer?

Eine nachhaltige Landwirtschaft produziert weniger Ertrag, während der Aufwand gleichzeitig höher ist – die Lebensmittel müssen daher teurer verkauft werden. Um überhaupt wettbewerbsfähig zu sein, wird die Öko-Landwirtschaft stark bezuschusst: Durchschnittlich machen die EU-Fördermittel rund 40 Prozent des Einkommens der Betriebe aus.

Dennoch ist es für viele Produzenten aufwändig und riskant, auf eine biologische Produktion umzustellen. Aktuell gibt es in Deutschland daher nicht genug ökologische Betriebe, um die hohe Nachfrage zu decken: Wir importieren also viele Bio-Lebensmittel aus dem Ausland. 

Mehr Bio-Betriebe in Deutschland würden also nicht nur sicherstellen, dass die Bodenqualität hierzulande erhalten bleibt, sondern auch zusätzlich Transportwege verringern.

Dieser Ansicht ist auch die Bundesregierung: Im Rahmen der “Nachhaltigkeitsstrategie” soll sich die ökologisch genutzte Fläche in den kommenden zehn Jahren von 10 auf 20% erhöhen. Dafür wurden bereits einige Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Ist Bio gesünder?

Nein, tatsächlich nicht.

Bio-Lebensmittel haben zwar weniger Pestizidrückstände als konventionelle Lebensmittel – aber auch bei konventionellen findet man so wenig davon, dass es sich wohl nicht negativ auf die Gesundheit auswirkt. 

Einige Studien legen nahe, dass Bio-Lebensmittel mehr Nährstoffe enthalten – zahlreiche andere Studien widerlegen das jedoch. Grundsätzlich kann man also davon ausgehen, dass der Verzehr von konventionellen Lebensmitteln keine direkten gesundheitlichen Nachteile mit sich bringt.

Warum sollte ich trotzdem Bio kaufen?

Weil du indirekt davon profitierst: Nur bei einer ökologischen Landwirtschaft bleiben Böden und Wasser intakt. 

Der konventionelle Anbau verwendet mineralische und chemische Dünger, Monokulturen und Pestizide. Das hat gravierende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Bio-Betriebe dagegen haben viele Vorteile:

 

  • Besser für die Artenvielfalt.
    Laut einer Studie leben auf biologisch bewirtschafteten Feldern im Vergleich 35 % mehr Feldvögel, 23% mehr blütenbestäubende Insekten und sogar 86 % mehr Pflanzen. Wie gravierend die negativen Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft etwa auf die Wildbienen sind, ist in den letzten Jahren deutlich geworden.
  • Besser fürs Klima.
    Konventionelle Landwirtschaft trägt auf verschiedene Arten zum Klimawandel bei: Mineraldünger verursacht Lachgasemissionen, die rund 300 Mal so klimaschädlich wie CO2 sind.
    In der Bio-Landwirtschaft dagegen wird auf Mineraldünger verzichtet; und sogar die Kühe stoßen weniger Methan aus, da sie mehr bekömmliches Grünfutter erhalten. Gleichzeitig können die ökologisch bewirtschafteten Böden bis zu 10 Prozent mehr CO2 binden, so dass die klimafreundliche Wirkung noch verstärkt wird.
  • (Ein bisschen) besser für die Tiere.
    Ein Bio-Schwein hat mindestens 1,3 qm Stallfläche und 1 qm Platz im Freien zur Verfügung. Das ist extrem wenig – aber immer noch besser als die 0,75 qm im Stall, die die konventionell gehaltenen Tiere erhalten; Auslauf im Freien ist gar nicht vorgesehen. Auch grausame Praktiken wie das Kupieren der Schwänze – also das Abschneiden der Ringelschwänze ohne Betäubung – ist auf konventionellen Höfen Standard; auf Biohöfen bedarf es dazu einer Ausnahmeregelung.

Fazit

Die Hoffnung, mit dem Bio-Siegel eine artgerechtere Tierhaltung zu unterstützen, wird nur in sehr geringem Maße erfüllt. Auch gesundheitliche Vorteile sind nach aktuellem Stand nicht gegeben. Dennoch ist der Kauf von Bio-Lebensmitteln sehr sinnvoll, denn er kommt uns und unseren Kindern auf anderem Wege zugute: Guter Boden – die Grundlage für jeglichen Lebensmittelanbau – bleibt erhalten, und die Belastung fürs Klima ist deutlich geringer.