Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt direkt aus dem Wald – und noch heute ist eine grüne Forstwirtschaft unglaublich wichtig. Wälder sind CO2-Speicher, Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen sowie Erholungsraum für Menschen. Gleichzeitig sind Rohstoffe aus dem Wald aus unserem Alltag überhaupt nicht wegzudenken. Ob Möbel oder Papier – ohne Holz geht nichts. Wie kann ich als Kund:in nachhaltige Forstwirtschaft unterstützen? Indem ich auf das richtige Siegel achte.

Definition: Was ist das FSC-Siegel?

Das FSC-Siegel wird von der Forest Stewardsip Council vergeben. Es zertifiziert Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft; die meisten kennen es daher von Möbeln und Papier. Der FSC sieht Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen (ökologisch, sozial und wirtschaftlich) und seine Mitglieder spiegeln daher auch alle drei Bereiche wider: Es sind Firmen, Umweltschutzorganisationen, Gewerkschaften und sogar Vertreter:innen indigener Völker.

Gemeinsam erarbeiten sie Standards, die aus wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht nachhaltig und gleichzeitig umsetzbar sind. Neue Beschlüsse können nur umgesetzt werden, wenn die Mitglieder aller drei Kammern zustimmen.

Dementsprechend beinhaltet der FSC ökologische Vorgaben zu Pflanzenschutzmitteln oder dem Schutz von heimischen Holzarten, aber auch soziale Vorgaben wie Arbeitsschutz und Schulungen.

FSC arbeitet auf internationaler Ebene und strebt weltweit einheitliche Standards an. Die grundlegenden Prinzipien sind daher in allen Ländern gleich – die konkreten Vorgaben werden aber jeweils an die unterschiedlichen Bedingungen vor Ort angepasst.

Was und wer ist FSC-zertifziert?

In Deutschland sind ungefähr 1,44 Mio. Hektar Fläche zertifiziert – das entspricht ungefähr 11% der deutschen Wälder. Der größte zertifizierte Betrieb ist ForstBW, also der Landeswald Baden-Württemberg.

Darüber hinaus gibt es mehr als 2.200 deutsche Unternehmen, die für die weitere Produktion zertifiziert wurden:
Diese „Produktkettenzertifizierung“ stellt sicher, dass auch wirklich nur FSC-Holz am Ende das FSC-Siegel trägt. Die entsprechenden Unternehmen haben innerbetriebliche Abläufe entwickelt, um die Hölzer jederzeit unterscheiden zu können.

Das Produkt ist also am Schluss nur dann mit dem FSC-Siegel ausgezeichnet, wenn alle Beteiligten der Lieferkette zertifiziert wurden.

FSC Mix, FSC 100 – was genau bedeutet das?

Es gibt insgesamt drei Kennzeichen-Kategorien, die sich entweder auf das Produkt selbst oder auf die Produktverpackung beziehen. Was genau gemeint ist, muss im Siegeltext klargestellt werden.

FSC Recycled: Es handelt sich zu 100 Prozent um Recyclingmaterial.

FSC Mix: Das Produkt (bzw. die Verpackung) besteht zu mindestens 70 Prozent aus FSC-zertifiziertem Holz und/oder Recyclingmaterial. Die übrigen 30% müssen den FSC Controlled Wood Mindeststandards entsprechen. Illegal geerntetes Holz ist genauso verboten wie jenes von gentechnisch veränderten Baumarten.

FSC 100%: Das Material für dieses Produkt stammt komplett aus FSC-zertifizierten Wäldern. Bei Papier, Pappe und Karton ist es schwierig, das zu erreichen, daher ist das Siegel hier eher selten. Bei Möbeln und anderen Vollholzprodukten ist es eher anzutreffen.

Am geläufigsten ist das FSC-Mix-Siegel, das etwa 80% des Marktanteils ausmacht. Jeweils ca. 10% der FSC-Siegel sind dagegen FSC 100% und FSC Recycled.

Wie streng und glaubwürdig ist FSC? – Kritik

Die Einhaltung der FSC-Kriterien wird bei jährlichen vor-Ort-Kontrollen überprüft und die Produktkettenzertifizierung – also die Tatsache, dass auch die verarbeitenden Schreinereien etc. zertifiziert sein müssen – garantiert eine hohe Rückverfolgbarkeit der Produkte. Das Siegel ist daher sehr glaubwürdig.

Auch die (deutschen) Standards selbst gelten als relativ guter Kompromiss zwischen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Für viele Umweltschutzorganisationen ist es das aktuell einzige glaubwürdige Siegel, das sich für eine ökologische Forstwirtschaft einsetzt.

Die Standards, die in anderen Ländern gelten, werden dagegen häufiger kritisiert. In Russland wird beispielsweise Holz aus dem Urwald gerodet – per Kahlschlag. Aufgrund des kalten Klimas kann sich der Baumbestand hier auf lange Zeit nicht erholen, mit allen Folgen für die dortige Tier- und Pflanzenwelt.

Dieses Holz kann dennoch FSC-zertifiziert werden, wenn ein kleiner Teil des Waldes bestehen bleibt.
Für Greenpeace Deutschland war diese Vorgehensweise daher der Grund, seine Mitgliedschaft bei FSC Deutschland 2018 zu beenden.
(In vielen anderen Ländern ist Greenpeace jedoch weiterhin Teil der nationalen FSC-Organisation).

FSC begründet seine Entscheidung dagegen wie folgt: “Großflächige Waldbrände oder Sturmschäden erzeugen hier teilweise ähnliche ökologische Situationen für den Wald wie ein Kahlschlag und gehören dort zum natürlichen Kreislauf. Entsprechende Eingriffe im borealen Wald haben abgeschwächte negative Wirkungen im Vergleich zu unseren gemäßigten Breiten.” Daher setzt der FSC kein generelles Kahlschlagverbot um, sondern schützt “großflächige Schlüsselbiotope”, die nach Standards des WWF identifiziert wurden (Quelle).

Ist das PEFC-Siegel eine Alternative zu FSC?

Auch PEFC hat das Ziel, Wälder zu schützen und nachhaltiger zu bewirtschaften. Jedoch sind sowohl die Anforderungen als auch die Kontrollen deutlich schwächer als bei FSC.

Etwa 2/3 der deutschen Wälder sind bereits PEFC-zertifiziert.
Das ist möglich, weil Waldbesitzende bereits mit der abgegebenen Selbstverpflichtung und geringen Gebühren (bei unter 50 Hektar pauschal 5 €/Jahr) als zertifiziert gelten. Kontrollen und Vor-Ort-Audits finden lediglich stichprobenartig statt.

Umweltverbände wie der NABU empfehlen daher lediglich das FSC-Siegel. Auch für Greenpeace Deutschland ist PEFC sogar „überhaupt kein echtes Zertifikat, denn da überprüft sich die Wirtschaft selber.“ (Quelle).

Wo finde ich FSC-zertifizierte Holzwaren und Papierprodukte?

FSC ist weit bei einigen Produkten weit verbreitet. Viele Einzelhändler führen beispielsweise Druckerpapier u.ä. mit Siegel.

Wer gezielt nach einem bestimmten Produkt sucht – etwa einem Möbelstück -, kann auch über die FSC Datenbank fündig werden. Die Suche funktioniert leider nicht frei, kann aber durchaus hilfreich sein.

Fazit: 

Die Organisation FSC hat das Ziel, eine nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben. Sie bindet ökologische, soziale und wirtschaftliche Akteure ein und kann neue Standards und Vorgaben nur beschließen, wenn alle drei Kammern diesen zustimmen. Das Ergebnis ist ein Kompromiss: Die ökologischen Vorgaben sind hoch, aber aus Sicht von Umweltverbänden nicht hoch genug. 

Gleichzeitig ist FSC das einzige glaubwürdige Siegel auf dem Markt. Andere Siegel wie PEFC sind keine Alternative – die Vorgaben sind deutlich weniger streng und die Umsetzung wird wenig kontrolliert.

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