Es gibt nicht viele Dinge, die so wenig Aufwand erfordern und dennoch eine große Wirkung erzielen: Der Wechsel zu Ökostrom geht schnell und einfach – und kann richtig was bewegen!

Im Jahr 2019 machten die erneuerbaren Energien ca. 43% unseres Stromverbrauchs aus – das ist schon ordentlich, aber längst nicht genug. Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 65 Prozent zu steigern. 

Und ja, indirekt fördern wir das alle bereits ein bisschen, durch die EEG-Umlage. Das heißt, von jeder Kilowattstunde, die wir bezahlen, fließen knapp 7 Cent in die Förderung der Erneuerbaren; denn jede/r, der selbst Strom durch Windkraft- oder Solaranlagen produziert, darf diesen in das Netz einspeisen und erhält einen auf 20 Jahre gesicherten Preis dafür.

Und tatsächlich hat sich in den letzten Jahren bereits sehr viel getan: 2010 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien gerade mal 17 Prozent, 2015 immerhin schon knapp 32 Prozent, und 2019 also 43 Prozent.

Die Richtung stimmt also, ganz klar. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

Die Stromerzeugung ist der größte Hebel zur Reduktion von CO2

Etwa 27 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entstehen allein durch die Stromerzeugung. Das liegt vor allem an den 130 Kohlekraftwerken in Deutschland; die meisten davon verstromen Braunkohle, was zugleich die CO2-intensivste Variante ist. Wie viel Treibhausgase das jeweilige Kraftwerk produziert, hängt zwar auch stark vom Stand der Technik ab – gut kommen die Anlagen aber nie weg. 

Einige der deutschen Braunkohlekraftwerke gehören zu den schmutzigsten in Europa; allen voran die RWE-Anlagen Neurath und Niederaußem, die beide jährlich knapp 30 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Jeweils! Damit verursachen allein diese beiden deutschen Kraftwerke mehr CO2 als das gesamte Land Schweden oder Kroatien. Oder auch Estland, Lettland und Litauen zusammen.

Immerhin, das bedeutet auch: Allein mit der deutschen Stromerzeugung lässt sich unglaublich viel CO2 einsparen – wenn wir den Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent vorantreiben.

Echter Ökostrom macht einen echten Unterschied

Als Einzelperson können wir den Ausbau der erneuerbaren Energien am besten unterstützen, in dem wir Ökostrom nutzen. Dazu zählt Strom aus Wasser- und Windkraft-, Solaranlagen und Biomasse-Kraftwerken. Ein Haushalt mit vier Personen kann auf diese Weise 2,3 Tonnen CO2 pro Jahr sparen und unterstützt den Ausbau weiterer neuer Anlagen.

Wichtig ist dabei, echten “grünen Strom” zu nutzen: Denn inzwischen sind natürlich auch die großen Stromkonzerne Teil des Umbaus und bieten Ökostromtarife an. Das bleibt aber oft eine Mogelpackung: Über das European Energy Certificate System, kurz EECS, haben Betreiber die Möglichkeit, ihren Graustrom (also Kohle- oder Atomstrom) als Ökostrom zu verkaufen. 

Ein ökologisches Kraftwerk erhält ein EECS-Zertifikat für jede Megawattstunde Strom, die es nachhaltig – also z.B. durch Windenergie – gewonnen hat. Diese EECS-Zertifikate können von Kohlekraftwerksbetreibern aufgekauft werden, und sie können damit “belegen”, dass ihr Strom nachhaltig ist. Der Strom der ursprünglichen Windkraftanlage wird stattdessen als konventioneller Strom verkauft.

Macht am Ende keinen Unterschied? Doch, natürlich: Der Kraftwerksbetreiber erhält ein grünes Image, ohne tatsächlich in neue regenerative Anlagen investiert zu haben. Ein Stromanbieter, der grünen Strom anbietet, hat ihn nicht zwangsläufig auch produziert; er bedient nur die Nachfrage. Falls ich dort Kunde bin, finanziere ich zwangsläufig auch dessen Kerngeschäft – Kohle- und Atomstrom.

Wer also wirklich den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreiben möchte, tut gut daran, sich an die reinen Ökostromanbieter zu halten.

Einfach und schnell: Jetzt wechseln!

Inzwischen gibt es relativ viele nachhaltige Stromanbieter, die zu 100 Prozent nachhaltig erzeugten Strom anbieten – ohne EECS-Zertifikate zu nutzen. Die Preise dieser Anbieter sind häufig sogar günstiger als der regionale Standardtarif; auch preislich lohnt sich also der direkte Vergleich.

Zu den bekanntesten Anbietern gehören Naturstrom, Greenpeace Energy,  die Bürgerwerke und Polarstern.

Anbieter 1: Naturstrom

Naturstrom ist einer der Pioniere auf dem Markt. Gegründet in den späten 1990er Jahren, kann die Firma inzwischen rund 260.000 Kunden vorweisen. Naturstrom wird vom NABU und BUND empfohlen und investiert je nach Stromtarif 1 bis 2 Cent / kwH in den Bau neuer Stromerzeugungsanlagen. Insgesamt sind so bereits mehr als 300 neue Anlagen entstanden.

Anbieter 2: Greenpeace Energy

Greenpeace Energy wurde von Greenpeace e.V. zwar mitgegründet, Organisation und Unternehmen sind aber wirtschaftlich und rechtlich unabhängig voneinander.

Bei Greenpeace Energy handelt es sich um eine Genossenschaft, die ebenfalls über 20 Jahre alt ist und inzwischen rund 180.000 Strom- und Gaskunden hat. Auch hier wird großen Wert auf den Neubau von Anlagen gelegt.

Anbieter 3: Bürgerwerke

Die Bürgerwerke sind ein Zusammenschluss von mehr als 40.000 BürgerInnen und über 90 lokalen Energiegemeinschaften aus ganz Deutschland. Gemeinsam versorgen sie bundesweit Menschen mit Bürgerstrom aus Solar-, Wind- und Wasserkraft und verfolgen damit die Vision einer erneuerbaren, regionalen und unabhängigen Energiezukunft in Bürgerhand.

Die Bürgerwerke werden u.a. von der Deutschen Umweltstiftung und der GLS Bank empfohlen.

Anbieter 4: Polarstern

Die Polarstern GmbH wurde 2011 gegründet. Der Strom kommt aus einer Wasserkraftanlage in Deutschland, Biogas wird aus Ungarn bezogen  – aus einer Anlage, die die Zuckerrübenabfälle einer benachbarten Fabrik vergärt.

Das Besondere an Polarstern ist ihre Gemeinwohlbilanz: Profit ist nur ein Ziel, das Wohlbefinden von Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten, etc. ein anderes, gleichrangiges. Ihren Bericht zu diesem Thema hier nachlesen. Du bist überzeugt? Hier kannst du Preise vergleichen & wechseln*

Fazit: Der Wechsel lohnt!

Ein Wechsel ist nicht kompliziert, geht schnell und spart oftmals sogar noch Geld. Und vor allem: Er trägt maßgeblich zur Umstellung auf erneuerbare Energien bei. Da die Stromerzeugung der Hauptverursacher von CO2 in Deutschland ist, ist Ökostrom effizienter Klimaschutz.