Geiz ist geil? Schon lang nicht mehr. Heute ist nachhaltiger Konsum im Trend. Es klingt ja auch super: Einkaufen und dabei die Welt retten! Was genau ist nachhaltiger Konsum, ist das aufwändig und wie funktioniert das im Alltag? Oder beim Thema Mode? Das erfährst du hier:

Definition: Was ist nachhaltiger Konsum?

Der Begriff beschreibt in erster Linie ein bewusstes und strategisches Kaufverhalten: Nachhaltiger Konsum unterstützt gezielt umwelt- und sozialverträgliche Produkte, auch wenn damit unter Umständen höhere Kosten oder ein größerer Aufwand verbunden sind. 

Dazu gehört zum Beispiel der Einkauf im Weltladen, um den fairen Handel zu unterstützen; aber auch, wer im Discounter einkauft, kann sich aus Gründen der Nachhaltigkeit für oder gegen ein Produkt entscheiden – etwa, um Verpackungsmüll einzusparen.

Nachhaltiger Konsum wird auch kritischer, ethischer oder strategischer Konsum genannt. Letztlich geht es um die Motivation der Konsumierenden – daher ist schwer zu beziffern, wie viele Menschen in Deutschland Kaufentscheidungen aufgrund von ethischen oder umweltschonenden Überzeugungen heraus treffen. 

Sicher ist jedoch, dass die Bereitschaft zu nachhaltigen Konsum zu nimmt: Immer mehr Menschen achten auf Siegel wie Fairtrade, GOTS oder Bio und geben in Verbraucher-Umfragen an, dass die Auswirkungen eine wichtige Rolle in ihren Kaufentscheidungen spielt. Diese Entwicklung ist kein vorübergehender Trend, sondern zeichnet sich bereits seit Jahren ab.

Warum ist nachhaltiger Konsum wichtig?

Ganz gleich, ob wir von Massentierhaltung, katastrophalen Arbeitsbedingungen oder Klimawandel sprechen – keines dieser Probleme lässt sich von einzelnen Akteuren im Alleingang lösen. Aufgabe der Bundesregierung ist es, gesetzliche Vorgaben zu entwickeln – mit dem Lieferkettengesetz oder den neuen Klimazielen geht es beispielsweise in die richtige Richtung. Als Bürger:in kann ich diese Entwicklung unterstützen, in dem ich mich politisch engagiere.

Konzerne habe eine unglaubliche Marktmacht und damit auch die Verantwortung, etwas zu verändern – sie sehen sich jedoch oft in großer Konkurrenz und fürchten Wettbewerbsnachteile. Wer nachhaltig konsumiert, sendet daher deutliche Signale an die Wirtschaft, dass sich etwas ändern kann – und muss, wenn Firmen ihre Kundschaft nicht verlieren wollen.

Zudem unterstützen strategische Konsument:innen oft kleine Initiativen und Start-Ups: Also Menschen, die neue Ideen entwickeln, Impulse setzen und in ihrem Bereich Vorreiter sind. Egal ob es sich um Energie, Lebensmittel oder Mobilität handelt – gesellschaftlicher Umbruch beginnt im Kleinen.

Der erste Schritt: Gar nicht kaufen.

Nachhaltiger Konsum beginnt jedoch schon einen Schritt vor dem Kauf – nämlich mit der Frage: Was brauche ich eigentlich? 

Jedes Produkt, egal wie umweltschonend es letztlich hergestellt wurde, hat einen ökologischen Fußabdruck: Denn für Herstellung, Verpackung und Transport werden Ressourcen benötigt, ebenso wie für Pflege und Entsorgung. 

Das nachhaltigste Produkt ist also immer das, was gar nicht erst produziert wird. 

Auf den ein oder anderen Kauf zu verzichten hat für manche Menschen einen negativen Beiklang. Das müsste gar nicht sein – denn wer bewusst kauft, profitiert davon:
Der Geldbeutel wird geschont, die Wohnung ist nicht überfüllt (und schneller aufgeräumt) und der Kopf ist frei für wichtigere Dinge. 

Mehr Tipps zu diesem Thema findest du auch im Blogbeitrag: 7 Schritte zum (Nicht-)Kaufen

Nachhaltiger Konsum im Alltag – aufwändig und teuer?

Nicht jede:r hat einen Unverpacktladen um die Ecke oder kann es sich leisten, ausschließlich Bio-Lebensmittel zu kaufen. Nachhaltiger Konsum muss aber weder aufwändig noch teuer sein. Gerade im Bereich Ernährung kannst du viele Dinge ganz einfach im Alltag umsetzen. Dazu gehört zum Beispiel:

    • Wer im Supermarkt auf regionale und saisonale Produkte achtet, spart viel Geld und CO2.
    • Schreibst du dir im Vorfeld Einkaufslisten, kaufst du lediglich, was du brauchst und vermeidest (teure) Lebensmittelabfälle. 
    • Fleisch ist teuer (im Vergleich zu Obst und Gemüse) und hat eine sehr schlechte CO2-Bilanz – eine Reduktion macht daher Sinn.
    • Fischfang trägt in großem Maße zum Plastikgehalt in unseren Meeren bei und bringt unsere Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Hier gilt: weniger ist mehr.
    • Frisch kochen statt Fertiggerichte kaufen: Spart Geld, Verpackung und ist gut für die Gesundheit.

Mehr Informationen zu diesem Thema findest du in der Kategorie “Ernährung”.

Nachhaltiger Konsum im Bereich Kleidung

Die heutige Textilindustrie ist gigantisches Geflecht vieler verschiedener Akteure – und in weiten Teilen extrem umweltschädlich. Baumwolle ist ein Naturprodukt, gehört im konventionellen Anbau jedoch zu den Pflanzen, die die weltweit höchste Pestizidnutzung erfordern. In der Verarbeitung – von der Ernte der Baumwolle angefangen – werden zahlreiche Chemikalien und teils giftige Farben eingesetzt, die unsere Kleidung formstabil und farbecht machen sollen. 

Die Folge: Gerade in Asien sind Böden und Gewässer hochgradig belastet, die Arbeit in der Textilindustrie ist für viele Menschen stark gesundheitsgefährdend und schlecht bezahlt.

Wer im Bereich Kleidung und Textil nachhaltiger konsumieren möchte, kann daher auf Textilsiegel achten. Zu den wichtigsten gehören:

Fairtrade bezieht sich dagegen (noch) nur auf die Baumwolle, die weitere Verarbeitung wird bislang nicht mit einbezogen. Es ist daher eher für Lebensmittel und andere Produkte interessant (mehr Infos: Wie fair ist Fairtrade?)

Eine Liste an nachhaltigen Marken findest du auch hier: Faire Kleidung – die besten Marken.

Zu nachhaltigen Konsum gehören jedoch noch viele weitere Aspekte. Online-Shopping hat gerade im Bereich Kleidung eine unglaublich hohe Retourenquote, der doppelte Versand belastet die Umwelt.
Sinnvoll ist es also, anhand der angegebenen Maße möglichst genau zu schauen, welche Größe die Richtige ist – oder gleich den Einzelhandel vor Ort zu unterstützen.

Bewusstgrüne Tipps für bereits vorhandene Kleidung:

    • Trage und nutze sie so lange wie möglich
    • Kleine Löcher lassen sich oft einfach reparieren
    • Was du nicht mehr trägst, kannst du über Tauschpartys oder Plattformen wie Vinted weitergeben, um den Lebenszyklus zu verlängern
    • Waschen benötigt viel Energie: Wasche nur, was nötig ist, und das auf möglichst geringer Temperatur – das schont auch die Fasern
    • Kleidung mit Polyesteranteil kannst du mit Guppyfriend waschen, um den Austritt von Mikroplastik zu verhindern.

    Einen ausführlichen Artikel zum Thema Nachhaltiger Konsum im Bereich Kleidung findest du auch hier: Kleidung nachhaltig kaufen und nutzen.

    Fazit: 

    Nachhaltiger Konsum ist eine Entwicklung, die in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Immer mehr Menschen nutzen auch ihre Möglichkeiten als Verbraucher:innen, Einfluss zu nehmen – etwa beim Einkauf von Lebensmitteln oder Kleidung.

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