Ausmisten, minimalistisch leben, den Kopf frei haben für die wichtigen Dinge im Leben – das klingt traumhaft. Viele Menschen sortieren derzeit verstärkt aus und prüfen, was wirklich in der Wohnung – und im Leben – eine Rolle spielt. Nur: Wohin mit all den Dingen, die wir nicht mehr haben möchten? Ab in die Restmülltonne? Von wegen! Für die meisten Gegenstände gibt es deutlich sinnvollere Möglichkeiten: Sie können als Spende oder Verkauf ein zweites Leben erhalten; und sollte das nicht möglich sein, zumindest korrekt recycelt werden (ein zweites Leben in Einzelteilen also). Was du wie los wirst, kannst du hier nachlesen. (Teil 1/2).

Jahrhundertelang haben sich Menschen darüber definiert, was sie besitzen: Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Dank Massenproduktion, Wohlstand und Kreditkarte haben wir alle inzwischen aber so viel, dass wir den Überblick verlieren. Oder könntest du aus dem Stegreif aufzählen, was alles in deinen Wohnzimmerschubladen liegt?

Viel kaufen, viel besitzen – das ist auch anstrengend: All diese Dinge müssen ausgesucht, abgeholt, verstaut, entstaubt, benutzt und irgendwann entsorgt werden. Sie erfreuen uns nicht nur, sondern beschäftigen und belasten uns auch. Kein Wunder also, dass sich Minimalismus derzeit großer Beliebtheit erfreut: Die Kunst, die eigene Wohnung radikal auszumisten und im Anschluss bewusster zu konsumieren, befreit uns von Konsumgütern, die zur Belastung werden. Und sie hilft der Umwelt: Wer fortan wenig und nur gezielt einkauft, lebt deutlich nachhaltiger.

Wohin aber mit all dem Zeug, das wir nicht mehr haben wollen? Hier findest du Tipps und Tricks, deine Textilien, Bücher und Handys loszuwerden – ohne dabei unnötig Müll zu produzieren.

EINS. Textilien. Kleidung und Schuhe aussortieren

Die eigene Kleidung auszumisten ist nicht nur der erste Schritt bei Aufräum-Ikone Marie Kondo*, sondern auch einer der größten Hebel für nachhaltigeren Konsum: Das meiste Geld wird in Deutschland für Kleidung ausgegeben (Fixkosten wie Miete lassen wir mal außen vor – wir sprechen von den Konsumausgaben).
Gleichzeitig ist die Textilindustrie eine der schmutzigsten überhaupt (siehe auch: Der hohe Preis der Billigkleidung). Unsere Kleiderwahl ist also einer der wirkungsvollsten Hebel, die wir haben: Super! Wir müssen nur eine Gewohnheit umstellen und können damit schon viel erreichen. Zunächst aber stellt sich die Frage: Wohin also mit der alten Kleidung?

Altkleidersammlung: In fast jeder Stadt findet man Altkleidercontainer, in denen man noch tragbare Kleidung und Schuhe entsorgen kann; kaputte Kleidung gehört dagegen in den Hausmüll. Was im Container landet, wird sortiert und sowohl in Osteuropa als auch in Afrika verkauft. Der Erlös geht an die Organisation, die den Container aufgestellt hat – daher ist es wichtig zu schauen, wer das ist. Die Caritas oder das DRK sind gemeinnützige Organisationen; wenn ihr Logo auf dem Container angebracht ist, kann man seine Kleidung hier gerne abgeben. Falls du dagegen nur die Aufschrift “Kleidersammlung”, aber keinen Betreiber findest, handelt es sich um eine private Firma – das muss man wirklich nicht unterstützen.

Wo die nächste karitative Kleiderspende möglich ist, kannst du hier mit einem Klick herausfinden: https://altkleiderspenden.de/

Vinted (bis Ende 2020: kleiderkreisel): Über die Webseite und App kannst du mit wenigen Klicks gebrauchte Kleidung verkaufen. Der einzige Nachteil: Das kann unter Umständen etwas dauern. Falls du einen guten Lagerplatz für die bereits aussortierte Kleidung hast, ist das aber kein Problem und kann dir noch ein paar Euro einbringen. 

Spenden:  In vielen Städten gibt es Oxfam-Läden oder Sozialkaufhäuser, die gut erhaltene Textilien gerne annehmen. Aber auch andere Einrichtungen wie Frauenhäuser oder Obdachlosenheime nehmen teilweise spenden entgegen. Gerade Bettwäsche, Handtücher oder Vorhänge werden weniger oft abgegeben und sind daher gefragter. Am besten zum Telefon greifen, anrufen und nachfragen.

ZWEI. Bücher, Zeitschriften & Co. aussortieren

Bücher wirft man nicht weg, das ist sicherlich einer der Glaubenssätze, mit denen ich aufgewachsen bin. Trotzdem gibt es Werke, die ich sicherlich nicht noch einmal lesen werde. Wohin also mit den überzähligen Büchern?

Offenes Bücherregal: Vor ein paar Jahren noch eine Neuheit, inzwischen gibt es offene Bücherregale in sehr vielen Gemeinden: Jede/r kann Bücher bringen und mitnehmen, wie es beliebt. 

momox: Das Internetportal Momox ermöglicht es dir, Bücher ganz einfach weiterzuverkaufen. Du kannst den Barcode über die App einscannen und weißt sofort, ob momox das Buch annimmt und wie viel Geld du dafür erhältst. Erfahrungsgemäß funktioniert das ganz gut bei neuen und gefragten Werken – sind die aussortierten Bücher dagegen schon einige Jahre alt, wirst du wohl nur wenig Geld damit machen können.

BookCrossing: Wer nur einzelne Bücher gehen lassen mag, kann sie auch auf Reisen schicken: Melde dich auf der Seite bookcrossing.com an, versieh dein Buch mit einer ID und lasse es (geschützt vor Regen) irgendwo liegen. Der/die glückliche Finder kann es nicht nur lesen und anschließend weiterreisen lassen, sondern die Reise auch online dokumentieren.

Zu-verschenken-Kiste: Man nehme einen Karton, beschrifte ihn mit “Zu verschenken” und stelle ihn vor die Haustür – fertig, jetzt kann man ihn bestücken, womit man möchte. Neben Bücher und Zeitschriften passt natürlich noch allerhand mehr rein. Wichtig: Die Kiste muss sich auf dem eigenen Grundstück befinden! Es mag zwar sein, dass die Erfolgschancen im nächsten Park höher sind, aber dann ist das offiziell illegale Müllentsorgung – selbst wenn du (selbstverständlich) die Kiste später wieder abholst und die restlichen Sachen ordnungsgemäß zu Hause entsorgst.

DREI. Elektroschrott. Handys & Laptops entsorgen

Im Jahr 2019 wurden rund 23 Millionen Smartphones verkauft – allein in Deutschland! Vermutlich besaßen die meisten dieser 23 Millionen Menschen bereits mindestens ein Handy, das nun – mehr oder weniger kaputt – in einer Schublade liegt und als “Ersatzhandy” darauf wartet, wiederbelebt zu werden. 

Das ist wirklich schade, denn Smartphones haben ein wertvolles Innenleben: Darin sind Edelmetalle wie Gold, Silber, Palladium, Kupfer und Tantal verbaut. Um neue Handys herzustellen, werden diese Rohstoffe aufwändig und unter hohen Kosten für Mensch und Umwelt gewonnen. Im Kongo etwa ist Kinderarbeit keine Seltenheit, um Kobolt zu schürfen, auch wenn die Bedingungen lebensgefährlich sind.

Da Smartphones und Laptops aus sehr vielen Einzelteilen bestehen, gibt es bislang kein Fairtrade-Siegel für Elektrogeräte. Immerhin: Es gibt ein paar gute Alternativen auf dem Markt, etwa das Fairphone. Und: Es gibt die Möglichkeit, Altgeräte zu recyceln. Man spricht auch von “urban mining”: Das erneute Nutzen der Rohstoffe, die bereits aus der Erde geholt wurden.

NABU: Eine Anlaufstelle dafür ist der NABU. Wer seine alten Smartphones an die gemeinnützige Umweltschutzorganisation schickt, sorgt nicht nur dafür, dass sie recycelt werden, sondern unterstützt mit dem Erlös auch den Insektenschutz.

Labdoo: Noch funktionierende Laptops und PCs können an Labdoo gespendet werden; die gemeinnützige Organisation löscht alle vorhandenen Daten, bereitet die Geräte auf und stellt sie Schulen und Bildungsprojekten weltweit zur Verfügung. Mehr Infos gibt zu dem Projekt gibt es hier.

Recyclinghöfe:  Auch alle anderen elektronischen Haushaltsgeräte wie Drucker, Radios, Laptops, Toaster, etc. gehören auf keinen Fall in den Restmüll, sondern auf den Recyclinghof. Selbiges gilt für CDs, DVDs und Batterien.

Du willst weiterlesen? Hier geht es zu Teil 2!

Zwischenfazit: Alles, nur nicht Restmüll

Es gibt einige sinnvolle Möglichkeiten, unseren Dingen ein zweites Leben zu schenken. Das verringert deutlich den Ressourcenverbrauch für neue Produkte, hilft dem oder der zweiten Besitzer/in und vielleicht verdienst du sogar noch ein paar Euro damit. Eine Win-win-win-Situation.